Umsetzung Basel III

Im Dezember 2010 hat der „Basler Ausschusses für Bankenaufsicht“ auf Basis der Erfahrungen der Finanzkrise umfassende Vorschläge zur Erweiterung und Modifizierung der Basel II-Vorschriften vorgelegt. Diese Empfehlungen sollen 2012 in europäisches und nationales Recht umgesetzt werden und ab 1.1.2013 schrittweise in Kraft treten. Dabei formuliert die EU über das Konsultationspapier Basel III hinausgehende Anforderungen.

Das Rechtspaket enthält dabei zwei Rechtsakte

  • Verordnung, die unmittelbarer für alle EU-Staaten bindend ist. Sie umfasst die Regelungsbereiche Eigenkapital, Liquidität, Verschuldungsquote, Gegenparteiausfallrisiko und einheitliches Regelwerk.
  • Richtlinie, die in nationales Recht umzusetzen ist. Sie umfasst insbesondere Voraussetzungen für Aufnahme und Ausübung des Bankgeschäfts, die Bedingungen für die Ausübung der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit sowie die Definition der zuständigen Behörden und die Grundsätze für die Bankenaufsicht. Neu darin sind Verbesserungen im Bereich Governance, Sanktionen, Kapitalpuffer, Verbesserte Aufsicht

Banken stellen diese Änderungen erneut vor hohe Herausforderungen. Neben den verschärften Kapitalanforderungen, gilt es neue interne Prozesse zu implementieren. So setzt die Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften und Liquiditätsstandards neue Maßstäbe an die Überwachung sowie an das interne und externe Reporting der Assetbestände und Zahlungsflüsse.

Die wesentlichen Änderungsvorschläge

Anpassungen der Berechnungen für die Eigenkapitaldefinitionen

  • erweiterte Offenlegung der Eigenkapitalelemente
  • auf Basis des Kreditportfolios Ermittlung eines antizyklischen Kapitalpuffers (Institution Specific Countercyclical Capital Buffer, ISCCB)
  • Einführung eines Kapitalerhaltungspuffer in Höhe von 2,5 % der risikogewichteten Aktiva
  • Veränderung der Berechnungssystematik für aufsichtsrechtliche Eigenmittel durch vollständige Überarbeitung der Abzugs- bzw. Korrekturposten
  • Veränderungen in der Behandlung von Minderheitsbeteiligungen

Anrechnung Risiko tragender Aktiva

  • Einführung eines Stressed-Value-at-Risk
  • Ermittlung der Incremental Risk Capital Charge, für besondere Kursrisiko von Nichtverbriefungspositionen
  • Änderung des Ermittlungsverfahrens für im Handelsbuch gehaltene Verbriefungspositionen
  • RWA-Optimierung: Überprüfung der Anforderungen an die institutseigene Risikobeurteilung und -modellierung
  • Veränderte Offenlegungsanforderungen
  • Unterlegung des Kontrahentenausfallrisikos
    • Änderungen der quantitativen und qualitativen Vorgaben für die Ermittlung des Exposures
    • Einführung einer Kapitalanforderung für das Risiko einer Bonitätsänderung der Gegenpartei (Credit Valuation Adjustment, CVA) bei nicht über einen zentralen Kontrahenten (Central Counterparty, CCP) abgewickelten OTC-Derivaten.

Ermittlung einer Leverage Ratio (Höchstverschuldungsquote).

  • Ermittlung der LR: Verhältnis Verschuldungsquote = Kernkapital zu nicht risikogewichteten Gesamtpositionen einschließlich außerbilanzieller Risikopositionen und Derivate
  • Reporting an die Aufsicht

Anpassungen zur Steuerung und Reportings des Liquiditätsrisikos

  • Einführung einer Liquidity Coverage Ratio (LCR)
    • Ermittlung Liquiditätspuffer für 30-tägiges Liquiditäts-Stressszenario
    • Kategorisierung liquider Aktiva
    • Ermittlung potenzieller und vertraglich vereinbarter Netto-Zahlungsmittelabflüssen
  • Einführung einer Net Stable Funding Ratio (NSFR)
    • Ermittlung der verfügbaren stabilen Refinanzierung
    • Ermittlung der erforderlichen stabilen Refinanzierung
  • Identifizierung relevanter Datenquellen
    • Anpassung des Meldewesen um weitere Beobachtungskennziffern (keine konkrete Vorgaben)

Anpassungen im Risikomanagement

  • Reorganisation der gruppenweiten Risikosteuerung
  • Formulierung spezieller Anforderungen an einzelne Risikoarten und Ausgestaltung von Stresstests
  • Besondere Betrachtung und Zusammenfassung von Risikokonzentrationen und Positionen, die von gemeinsamen Risikotreibern abhängen
  • Überprüfung der Berechnungsmethoden für Anrechnung von Derivaten

Governance-Grundsätze und aufsichtlicher Überwachungsprozess

  • Über die MaRisK hinausgehende Konkretisierung der Risikoüberwachung durch die Geschäftsleitung

Weitere Veränderungen

  • Anpassung der Transaktionen mit verbundenen Unternehmen, die künftig wie Transaktionen unter Dritten behandelt werden sollen
  • zahlreiche Änderungen in der qualitativen Bewertung und der Transparenz vieler Geschäftsarten
  • Anpassung der Reportings bin hin zum Top-Management
  • besondere Maßnahmen für „systemrelevante Finanzinstitute“

Vorgehensmodell

Identifikation der Handlungsfelder

Nicht alle Basel III-Anforderungen finden Anwendung auf alle Institute. In einer Vorstudie ist daher zunächst der spezifische Handlungsbedarf zu ermitteln mit grundsätzlichen Auswirkungen auf

  • Geschäftsmodell
  • organisatorische Veränderungen
  • Meldewesen
  • IT-Architektur und Anpassungen der Datenmodelle, Überprüfung der Datenqualität
  • Zeitplan

 Erarbeitung der Fachkonzeptionen

Erhebung der konkreten fachlichen Anforderungen und Breakdown der Vorgaben auf das spezifische Geschäftsmodell und die Organisationseinheiten.

DV-Konzeption, Prozesse und Implementierung

Auf Basis der fachlichen Vorgaben sind die Anforderungen an IT-Systeme und Organisation umzusetzen und die entsprechenden Prozesse zu implementieren. Dies umfasst auch umfassende Abstimmungen mit Dienstleistern etwa für Handelsplattformen und Daten.

Test, Dokumentation und Schulung

Die reibungsfreie Einführung der Basel III erfordert umfangreiche Tests durch die verschiedenen betroffenen Front-, Middle- und Backofficeeinheiten. Die neuen Anforderungen und Prozesse sind entsprechend zu dokumentieren und die Mitarbeiter zu schulen.

Was INNOVECS für Sie tun kann

Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Fach- und Organisations/IT-Bereichen. So sind unsere Berater in der Lage auch umfangreiche Business Transformationen, Migrations- und Veränderungsprozesse zu begleiten.

Die Berater der INNOVECS GmbH haben umfangreiche Erfahrungen mit der Umsetzung regulatorischer und aufsichtsrechtlicher Anforderungen in Banken. Wir können Sie in allen Phasen der Umsetzung von Basel III begleiten mit:

  • (Teil-)Projektleitern
  • erfahrenen Spezialisten für Fach- und IT-konzeption, Implementierung, Umsetzung, Organisationsprozesse und Test
  • Unterstützung des Projektmanagements